00:03
ARD Sounds Der Februar 1980 ist im US-Bundesstaat Washington mild. Daher entscheidet sich eine junge Familie an diesem Tag zum Columbia River zu fahren, um dort zu picknicken. Und ihr Vertrauen in das Wetter zahlt sich aus. Sie haben Glück. Einzelne Sonnenstrahlen durchdringen die dichte Wolkendecke. Am Ufer wird es sogar ein bisschen warm. Es gibt an diesem Tag keinen Frost.
00:31
Vater Harold wirft den Grill an und sein achtjähriger Sohn Brian beginnt, im weichen Sand zu buddeln. Es wirkt wie die perfekte Familienidylle. Doch dann plötzlich Fragezeichen im Gesicht des Kindes. Er ist auf etwas gestoßen. Brian gräbt weiter, zieht an dem, was er findet. Die Familie kann ihren Augen nicht trauen. Es sind Geldscheine. Nicht einer, nicht zehn, ein ganzes Bündel.
01:05
Am Ende sind es 5800 Dollar. Doch was sie nicht wissen, dieses Geld gehört zu einer der größten ungelösten Rätsel der amerikanischen Geschichte.
01:22
Freundinnen und Freunde des Wissens, erstmal danke für die ganzen Genesungswünsche, die ihr letzte Woche geschrieben habt und wie ihr merkt oder wie ihr hört, es hat funktioniert. Ich bin zurück und ich kann euch echt sagen, das war letzte Woche mit Abstand die knappste in der es also fast keine Folge gegeben hätte, weil ich war wirklich also lange nicht mehr so kaputt. Mini kleine Anekdote, ich bin eines Nachts aufgewacht und ihr kennt das glaube ich, wenn man nachts so krank aufwacht, das ist sowieso schon nicht angenehm und dann bin ich kurz aufs Sofa, also ins Wohnzimmer, weil ich dachte so, ich muss mal ganz kurz irgendwie durchatmen und ich habe mich eine Sekunde hingesetzt und bin sofort wieder eingeschlafen, also wirklich Crazy, da war einiges an Nachholbedarf für die Gesundheit und umso fitter bin ich heute, was gut so ist, weil wir tauchen heute genau mit dieser Energie in eine extrem spannende Geschichte ein.
02:15
Wir werden klären, wer dieser D.B. Cooper aus der Überschrift dieser Folge ist, wie er ein Flugzeug entführt, danach verschwindet und so ein unglaubliches Rätsel entsteht. Das alles jetzt, denn ihr hört Wissen mit Johnny.
02:35
Kapitel 1. Der Mann, den niemand kennt. Wir starten am 24. November 1971, also knapp neun Jahre vor dem Fund vom kleinen Brian an dem Fluss, ganz am Anfang, also neun Jahre zurück. Es ist der Tag vor Thanksgiving, einem der größten Feiertage in den USA und über Portland, Oregon hängt ein grauer regnerischer Himmel. Das Wetter ist ungemütlich und hier drin am Flughafen PDX Portland bekommt man das zwar nicht mit, weil dichter Reiseverkehr herrscht, die Menschen tragen ihre Aktentaschen, rollen ihre Koffer, doch man merkt eine gewisse Angespanntheit.
03:19
Das liegt vor allem daran, dass die Menschen über die Feiertage nach Hause zu ihren Familien wollen. Und ein Mann ist inmitten von ihm, doch er hat einen ganz anderen Plan.
03:32
Er fällt in der Menschenmenge nicht weiter auf, trägt einen dunklen Anzug, ein weißes Hemd, eine schmale, schwarze Krawatte und darüber einen Regenmantel. Erstmal alles nicht so wirklich auffällig. Am Schalter von Northwest Orient Airlines, einer US-amerikanischen Fluggesellschaft, legt er Bargeld auf den Tresen. Damals gar nicht unüblich, vor allem in den USA, dass man Inlandsflugtickets einfach direkt am Flughafen kauft. Ausweisen muss der Mann sich damals nicht. Er sagt, er heiße Dan Cooper.
04:04
Zwei Minuten später hält er ein Ticket nach Seattle in den Händen. Und wer von euch jetzt denkt, Alter, das ging aber ganz schön einfach? Ja, das ist wirklich damals so, erklärt uns auch Heinrich Großbonga, der ist Journalist für Flugthemen.
04:21
Man kann sich heute gar nicht mehr vorstellen, wie einfach Fliegen war in den USA, aber auch in Europa. Das war wie Busfahren. Man ging hin, kaufte sein Ticket, stieg ein und flog los.
04:31
Ohne größere Sicherheitskontrollen steigt der ominöse Herr Cooper also wenig später in Flug 305. Es ist eine ziemlich kurze Reise. Der Flug von Portland, Oregon nach Seattle, Washington dauert kaum länger als eine halbe Stunde.
04:46
Cooper geht weit nach hinten in die Kabine, setzt sich nah an den Gang und bestellt noch vor dem Start einen Bourbon mit Soda. Dann zündet er sich eine Zigarette an. Und ja, auch das ist damals noch ziemlich üblich. Vor allem so bis ins Jahr 1988 wird auf Flügen geraucht. Erst danach wird das Ganze abgeschafft.
05:07
Dieser Dan Cooper, der wirkt total entspannt, fast schon gelangweilt. Er trägt auch die meiste Zeit eine Sonnenbrille. Später beschreiben Zeugen ihn als ungefähr 1,80 Meter groß, um die 40 bis 50 Jahre alt, dunkles Haar, braune Augen. Woher er aber kommt, welchen Beruf er hat und wie er wirklich heißt, das bleibt alles unbekannt. Gegen 14.50 Uhr hebt Flug 305 in Portland dann ab. Die nicht einmal halb ausgebuchte Boeing verschwindet in den Wolken.
05:40
Hinten in der Kabine beginnt die 23-jährige Flugbegleiterin Florence Schaffner ihren Dienst. Cooper sitzt in ihrer direkten Nähe. Ganz am Anfang wirkt alles relativ normal. Dann schreibt er etwas auf einen kleinen Zettel und steckt ihn ihr zu.
05:59
Schäfner denkt sich zunächst nichts dabei. Alleinreisende Männer drücken Flugbegleiterinnen damals immer wieder Telefonnummern oder kleine Flirtnachrichten in die Hand. Als sie den Zettel ungelesen wegstecken möchte, lehnt sich Cooper zu ihr. Ruhig macht er ihr deutlich, dass sie ihn besser lesen sollte. Sie beginnt, das Papier auseinanderzufalten und liest, was auf dem Zettel steht.
06:25
Zitat, in meiner Aktentasche befindet sich eine Bombe. Setzen Sie sich neben mich. Kapitel 2 Geld und Fallschirme Florence Schaffner muss erstmal durchatmen. Sie ist zurück in ihre kleine Bordküche gegangen und überlegt, wie sie jetzt vorgeht. Wenige Meter vor ihr sitzt ein Mann mit einer angeblichen Bombe. Außer ihr weiß noch niemand davon, denn Cooper macht keine Szene.
06:59
Er erhebt nicht die Stimme, läuft nicht durch die Kabine, bedroht auch niemanden.
07:04
Stattdessen bleibt er seelenruhig auf seinem Platz sitzen, trinkt seinen Whisky, die Zigarette qualmt noch immer zwischen seinen Fingern. Er hat Schäfner auch seine Forderungen genannt. Er will 200.000 Dollar in bar und vier Fallschirmen. Diese Anzahl ist kein Zufall.
07:23
Vier Stück könnte bedeuten, dass er nicht alleine springen will. Vielleicht wird er Geisel nehmen, Flugbegleiter oder Gäste. Sein Plan ist damit wenig vorhersehbar und Cooper stellt so sicher, dass er keine manipulierten, sondern wirklich funktionierende Fallschirme bekommt. Schäfner gibt die Anweisungen heimlich ins Cockpit weiter. Von dort geht die Meldung über Funk an die Flugsicherung, die Polizei und letztendlich ans FBI.
07:50
Wie später bekannt wird, fordert Cooper neben den Fallschirm und dem Geld auch Mahlzeiten für die Flugbesatzung. Das erlebt man wirklich nicht häufiger, gerade bei sowas wie solchen Entführungen. Ein Geiselnehmer, der sich um die Gefangenen sorgt.
08:07
Während Flug 305 weiter über die Region um Seattle kreist, beginnt am Boden eine hektische Suche. 10.000 einzelne Geldscheine müssen beschafft und alle ihre Seriennummern festgehalten werden. Gleichzeitig organisiert man die Fallschirme. Die Menschen in der Boeing sollen nicht in Panik geraten. Deswegen erfindet die Crew eine Erklärung, warum man gerade über Seattle kreist. Es gäbe ein technisches Problem, deshalb könnte man noch nicht landen. Erst nach zwei Stunden erhält die Maschine endlich die Nachricht vom FBI, dass alles bereitsteht.
08:41
Gegen 17.30 Uhr beginnt das Flugzeug den Landeanflug auf Seattle. Wenige Minuten später berühren die Reifen das Rollfeld.
08:48
Als die Passagiere rausgucken, wundern sie sich. Sie stehen weit weg vom Terminal, ganz alleine isoliert auf dem Rollfeld. Vor dem Flugzeug hat das FBI gepanzerte Autos sowie Polizeitrucks in Stellung gebracht. Cooper gibt den Befehl, die Sonnenblenden im Flugzeug zu schließen. Die meisten Fluggäste merken jetzt langsam, oh, irgendwas stimmt hier nicht. Einige haben sogar bei der Landung gesehen, wie sich Polizisten und FBI-Agenten in Deckung gebracht haben. Man sieht sie warten nur auf den Befehl, das Flugzeug zu stürmen.
09:20
Doch diesen gibt es nicht. Cooper behauptet weiterhin, eine Bombe zu besitzen und niemand weiß, ob ein Schuss oder eine hektische Bewegung den Sprengsatz auslösen könnte.
09:31
Dann Bewegung. Es ist nur ein Bote, kein Polizist, ein Mitarbeiter der Fluggesellschaft. Er fährt vor und betritt die Treppe. Eine Stewardess kommt ihm entgegen. In den Händen hat er tatsächlich das Geld und die vier Fallschirme. Er übergibt sie an die Flugbegleiterin und diese gibt das Zeug weiter an Cooper. Erst jetzt verstehen die Menschen, was los ist. Und Cooper lässt sie tatsächlich frei. Alle Passagiere dürfen die Maschine verlassen. Auch zwei Flugbegleiterinnen dürfen gehen.
10:03
Vier Crewmitglieder müssen jedoch bleiben. Und zwar die drei Piloten im Cockpit und die Flugbegleiterin Tina Maklo.
10:12
Dann gibt Cooper den nächsten Befehl. Die Boeing soll wieder betankt werden und erneut starten. Dieses Mal in Richtung Mexico City. Die Behörden stimmen zu. Wegen der begrenzten Reichweite muss aber ein weiterer Zwischenstopp in Renault, einer Stadt im Nordwesten des US-Bundesstaats Nevada, eingeplant werden. Kurz nach 19.30 Uhr, also zwei Stunden nach der Landung in Seattle, gehen die Türen wieder zu. Und Flug 305 hebt zum zweiten Mal an diesem Tag ab.
10:51
Der zweite Start der Maschine sieht noch einigermaßen normal aus. Doch alles, was danach passiert, hat nicht viel mit einem gewöhnlichen Linienflug zu tun. Denn Cooper hat erneut ganz besondere Anweisungen an die Kapitäne. Das Flugzeug soll höchstens auf 3000 Metern Höhe fliegen, also nicht mal ein Drittel davon, was sonst möglich wäre. Dazu auch deutlich langsamer. Nur etwa 300 kmh. Außerdem fordert Cooper, dass die Fahrwerke ausgefahren bleiben und dass die Landeklappen, Flaps genannt, auf exakt 15 Grad gestellt werden.
11:26
Er scheint sich sehr gut mit Flugzeugen auszukennen. Er will unbedingt, dass die Maschine weiter langsam und tiefer fliegt als sonst. Natürlich hat das alles seinen Grund und dieser liegt ganz hinten. in der Maschine. Unter dem Heck besitzt die Boeing 727 nämlich eine ausklappbare Treppe, über die Passagiere normalerweise am Boden ein- und aussteigen. Aber hier gibt es eine kleine Besonderheit. Denn bei diesem Modell kann die Treppe auch während des Fluges geöffnet werden. Aber nur, solange Geschwindigkeit und Höhe niedrig genug bleiben.
12:00
Cooper wählt die Flughöhe von 3000 Metern also ganz bewusst. Das liegt am sogenannten atmosphärischen Druck. Also hier ist die Luft immer noch dick genug, dass man ohne künstlichen Druckausgleich atmen kann. Doch das war's noch nicht mit seinen Anweisungen. Er schickt Flugbegleiterin Tina Mucklow ins Cockpit, denn er möchte in der Fluggastkabine komplett alleine sein. Als sich Tina ein letztes Mal umdreht, sieht sie Cooper, wie er im Gang steht.
12:29
Danach ist er allein. Vor ihm liegen die 200.000 Dollar, das sind ungefähr neun Kilogramm Geld, dazu die vier Fallschirme. Er öffnet einen von ihnen, schneidet mehrere Leinen heraus und bindet damit die schwere Geldtasche an seinem Körper fest. Dann legt er einen der großen Rückenfallschirme an. Also das macht man wie ein Rucksack quasi. Während die Boeing durch die Nacht fliegt, arbeitet Cooper am Mechanismus der Hecktreppe. Im Cockpit zeigt eine Warnleuchte, dass sich hinten etwas bewegt.
13:02
Die Piloten fragen über die Sprechanlage, ob Cooper Hilfe benötigt. Doch dieser lehnt ab. Es ist das letzte Mal, dass ein Mensch seine Stimme hört. Danach senkt sich die Treppe unter dem Heck ab. Mit einem Schlag peitscht der Fahrtwind durch den hinteren Teil der Kabine. Cooper arbeitet sich zur Öffnung vor, den Fallschirm auf dem Rücken, das Geld am Körper fixiert. Regen und Wind peitschen ihm ins Gesicht. Tief unter ihm verschwinden Wälder, Flüsse und einzelne Lichter im Südwesten Washingtons. Es ist Nacht geworden.
13:33
Die Boeing rast mit rund 300 kmh durch die Dunkelheit. Gegen 20.13 Uhr geht dann plötzlich ein deutlicher Ruck durch das Heck. Cooper hat womöglich die letzte Sprosse der Treppe erreicht. Gut 3000 Meter über dem Boden blickt er in die Tiefe. Seine Hände haben das Geländer noch einmal fest umklammert. Vielleicht schickt er ein letztes Stoßgebet in den Himmel, nimmt noch einen tiefen Atemzug und dann lässt er los.
14:03
Kapitel 4 Wo zur Hölle ist er? Direkt danach weiß im Cockpit von Flug 305 noch niemand sicher, dass Cooper wirklich gesprungen ist. Die Crew vermutet es zwar, aber gesehen hat es keiner. Die Cockpit-Tür bleibt verschlossen. Schließlich könnte der Entführer immer noch hinten sitzen und die angebliche Bombe bei sich haben. Also fliegt die Maschine weiter nach Süden, um dann wie geplant gegen 23 Uhr in Reno, Nevada zu landen.
14:34
Als die verbliebene vierköpfige Crew das Flugzeug verlässt, sehen sie die Hecktreppe. Sie hängt runter, ist ziemlich gut ramponiert, hat beim Rollen teilweise über den Boden gestriffen. Es ist übrigens einer der letzten Flüge, auf denen Coopers waghalsiges Manöver überhaupt möglich ist. Denn nach dem Vorfall werden Flugzeuge umgerüstet. Die bekommen eine neue kleine Klappe, einen neuen Mechanismus, den man übrigens auch Cooper-Klappe nennt. Denn genau dieser neue Mechanismus verhindert, dass während des Fluges diese Hecktreppe ausgeklappt werden kann.
15:08
Und der Name Cooper wird nun einer, der im Mittelpunkt des FBI stehen wird. Die Spezialkräfte tauchen innerhalb kürzester Zeit beim Flughafen in Nevada auf. Das Flugzeug wird auf alle Hinweise untersucht. Doch Cooper scheint wirklich verschwunden. Zurück bleibt unter anderem seine schwarze Krawatte, ein Zigarettenstummel, Fingerabdrücke und zwei Fallschirme, von denen einer abgeschnitten worden ist. Das ist wohl der, mit dem er das Geld an sich gebunden hat. Noch in derselben Nacht beginnt die Jagd nach dem Mann, der sich scheinbar in Luft aufgelöst hat.
15:41
Das FBI gibt dem Fall den Namen NORJACK, kurz für Northwest Hijacking. Aus Funksprüchen, Flugroutengeschwindigkeit und dem Rock im Heck versuchen Ermittler nun zu berechnen, wo Cooper in etwa die Maschine verlassen haben muss. Die Spur führt in den Südwesten des Bundesstaats Washington, in eine Landschaft aus dichten Wäldern, Flüssen, Seen und steilen Hängen. Hier gibt es wenig Zivilisation und genau deshalb wird Cooper diesen Ort bewusst gewählt haben.
16:13
Natürlich versuchen die Behörden auch herauszufinden, wer er überhaupt ist. Cooper scheint nur ein Deckname zu sein. Es beginnt die fieberhafte Suche nach Verdächtigen. Und so passiert übrigens auch etwas Sonderbares. Ein übereifriger Reporter namens Joe Frazier ruft bei der Polizei an. Er möchte unbedingt Informationen haben, die er dann wiederum für die Presse, für die Zeitung, für die er arbeitet, nutzen kann. Die Polizei antwortet, dass sie gerade an einem Mann dran sind, der sich D.B. Cooper nennt, ein lokaler Kleinkrimineller mit Vorstrafen.
16:47
Schnell kommt aber raus, dass dieser mit der aktuellen Entführung nichts zu tun hat. Doch der Reporter Frazier tippt dennoch die Initialien DB in eine Eilmeldung. So wird aus Dan Cooper, wie er sich ja anfangs genannt hat, als er das Ticket gekauft hat, schnell dann doch DB Cooper. Und innerhalb von Stunden geht der Name um die Welt, obwohl er eigentlich komplett falsch ist für den Fall. Währenddessen kämpfen sich Suchtrupps durch das nasse Unterholz Washingtons. Auch Hubschrauber werden genutzt, um Lichtungen und Wasserläufe abzufliegen.
17:19
Es ist ein gewaltiges Gebiet, alle halten Ausschau nach. In dem Fallschirm, nach Kleidungsstücken, der Geldtasche, auffälligen Spuren im Boden oder im Best Case natürlich nach Cooper selbst. Doch genau hier liegt das gewaltige Problem. Denn keiner weiß, wo man genau suchen muss. Zwei Abfangjäger der US Air Force haben die Boeing während des gesamten Fluges unbemerkt verfolgt. Aber auch sie haben in der Nacht durch die dichte Wolkendecke nichts sehen können. Also weiß keiner, wann Cooper genau gesprungen ist.
17:53
Es gibt zwar eine ungefähre zeitliche Schätzung der Piloten, aber wenn man sich nur um wenige Minuten irrt, dann verschiebt sich das Suchgebiet direkt um Dutzende Kilometer. Parallel geht ein Phantombild, also eine ungefähre Zeichnung Koopas durch die Medien. Daraufhin melden sich hunderte Menschen. Sie wollen ehemalige Soldatenkollegen, Fallschirmspringer, verschwundene Verwandte oder völlig andere Menschen erkannt haben. In den kommenden fünf Jahren prüft das FBI so mehr als 800 Verdächtige.
18:23
Doch keiner von ihnen ist der richtige Mann. Neun Jahre lang findet man keinen weiteren Hinweis zu Cooper. Bis zu dem kleinen Jungen, der im Sand krägt. Kapitel 5 Ein merkwürdiger Fund Also nochmal zum Anfang unserer Geschichte. 10. Februar 1980, als der 8-jährige Brian am Columbia River im Bundesstaat Washington plötzlich auf Geld stößt.
19:00
Die Familie hält die Bündel zunächst für nicht echt, übergibt die Scheine dem FBI, diese prüfen die Papierstücke, gleichen die Datenbanken mit allen internen Systemen ab, die sie so haben und...
19:12
Treffer. Die Scheine sind echt. Und noch krasser, die Seriennummern lassen sich 100% sicher dem Cooper-Fall zuordnen. Neun Jahre nach dessen Verschwinden endlich eine Spur. Jetzt könnte man meinen, dass das der große Durchbruch ist. Doch ausgerechnet diese Spur macht alles noch rätselhafter.
19:34
Der Fundort liegt rund 30 Kilometer von dem Gebiet entfernt, in dem man Cooper nach den ursprünglichen Berechnungen vermuten würde. Es ist aber ganz komisch, dass man sonst nichts findet. Exakt 5800 Dollar. Mehr nicht. Was ist da passiert? Hat er die Geldbündel beim Absprung verloren? Ist er selbst entkommen, sofort kommt natürlich wieder Schwung in den Fall. Und damit werden auch alle Theorien wiederbelebt. Hat Cooper das Geld vielleicht bewusst im Sand verkraben, als eine Art Versteck?
20:07
Der Fall macht erneut seine Runde durch die Medien. Auch natürlich die Theorie, dass Cooper den Sprung vielleicht nicht überlebt hat. Doch diese Annahme teilt unser Luftfahrtjournalist Heinrich Großbongert nicht. Natürlich entbrennt auch ein Streit um das gefundene Geld. Und Leute, das ist so USA, weil was am Ende rauskommt, ist so krass. Denn Brian, der kleine Junge, der das Geld ausgegraben hat, darf die Hälfte der Scheine tatsächlich behalten. 2008 versteigert er sogar einen Teil davon, also einzelne legendäre Scheine und verdient so etwa 37.000 Dollar.
20:45
Währenddessen prüft das FBI immer neue Verdächtige. Dann gibt's wieder eine heiße Spur. Sie führt zu Richard Floyd McCoy, der nur wenige Monate nach Cooper ebenfalls eine Boeing 727 entführt, Lösegeld und vier Fallschirme fordert und anschließend über die Hecktreppe abspringt. Die Ähnlichkeiten sind verblüffend, doch... Als dann Gegenüberstellungen stattfinden und auch die Flugbegleiterinnen befragt werden, sagen sie ganz zweifelsohne aus, das sind zwei unterschiedliche Personen.
21:18
Es handelt sich bei McCoy nicht um Cooper.
21:22
In den Jahrzehnten darauf tauchen unzählige weitere Hinweise auf. Doch ich muss euch an der Stelle hier enttäuschen, denn keiner dieser Hinweise führt zu Cooper. Im Juli 2016, also vor ungefähr zehn Jahren, beendet das FBI dann nach fast 45 Jahren aktiver Arbeit den Norjack-Fall. Es ist...
21:44
der einzige Entführer in der Geschichte der US-Luftfahrt, der spurlos entkommen ist. Bis heute können die Fragen nicht beantwortet werden, ob er die schicksalshafte Nacht überlebt hat, was mit dem Geld passiert ist, ob er vielleicht gerade diese Folge hört und ob die Lösung des Falles noch immer darauf wartet, gefunden zu werden. Zusammenfassung Am 24. November 1971 steigt ein unbekannter Mann unter dem Namen Dan Cooper in Portland in eine Boeing 727.
22:22
Kurz nach dem Start behauptet er, eine Bombe zu besitzen und fordert 200.000 Dollar sowie vier Fallschirme. In Seattle bekommt er beides, lässt die Passagiere und einen Teil der Besatzung frei und zwingt den verbleibenden Teil der Crew erneut zu starten. Über Washington öffnet er dann während des Flugs die Hecktreppe und springt mit Fallschirm und Lösegeld in eine kalte regnerische Nacht. Danach verliert sich jede sichere Spur. Das FBI beginnt die Fahndung, durchsucht riesige Waldgebiete und überprüft hunderte Verdächtige, kann Cooper aber nie identifizieren.
22:56
1980 findet der achtjährige Brian Ingram am Ufer des Columbia Rivers 5800 Dollar aus dem Lösegeld. Doch auch dieser Fund erklärt weder, wo Cooper landet, noch ob er den Sprung überlebt hat, noch wo das restliche Geld ist. Dass er so bis heute vollständig verschwinden kann, liegt auch an der damaligen Zeit. 1971 muss er, wie gesagt, beim Ticketkauf keinen Ausweis zeigen. Er bezahlt bar und hinterlässt weder digitales Buchungsprofil noch irgendwie flächendeckende Kameraaufnahmen.
23:28
Die Fingerabdrücke aus dem Flugzeug lassen sich ihm so auch nur sehr, sehr schwer zuordnen. Genauso wie die mögliche Landezone, die man auch nur einigermaßen einschränken kann. Cooper könnte dort beim Sprung in einer Baumkrone hängen geblieben sein, ohne je gefunden zu werden. Oder er hat überlebt, wechselt die Kleidung und kehrt einfach in ein normales Leben zurück. Bis heute lässt sich keine der Theorien wirklich beweisen. Man weiß nur, dass er vermutlich Geld im Sprung aus dem Flugzeug verloren hat.
24:00
Ob diese 5800 Dollar das einzige verlorene Geld war? wissen wir nicht. Und genau deshalb bleibt D.B. Cooper als einziger in der Geschichte der US-Luftfahrt spurlos entkommender Entführer einer der rätselhaftesten Fälle der amerikanischen Kriminalgeschichte.
24:24
Wissensfreunde, ey, das ist so krass, oder? Ich weiß, dass das bei dem einen oder anderen vielleicht auch Unbehagen oder Unzufriedenheit auslöst, dass man diesen Fall nicht klären kann. Aber auf eine Art macht es genau das auch so spannend, dass es sowas überhaupt noch heutzutage gibt, dass das FBI 45 Jahre ermittelt und trotzdem nicht auf die Spur, nicht mal auf den Hauch einer Spur kommt. Das ist wirklich krass. Bestimmt habt ihr Fragen zu Cooper und der gesamten Geschichte, die könnt ihr gerne raushauen und versprochen, wenigstens eure Fragen werden nicht unaufgeklärt bleiben.
24:58
Genauso wenig die der letzten Woche, als es um die Hindenburg ging. Frage Nummer 1 ist von Leona Groundwater oder Leon A. Groundwater. Hallo Johnny und Team, ich fand die Folge wirklich klasse. Vielen Dank. Meine Frage ist, ob Hitler damals einverstanden war, dass das größte Luftschiff nach seinem Rivalen Hindenburg benannt wurde. Und das ist eine sehr, sehr gute Frage, eine sehr berechtigte Frage. Also nochmal Paul von Hindenburg, das war ja der 1934 verstorbene Reichspräsident.
25:31
Und Hitler lässt ganz bewusst den Zeppelin nicht umbenennen, denn er Er hat damals Angst, dass die Technologie noch nicht weit genug ist und sollte der Zeppelin abstürzen, was dann ja auch genauso passiert, dann könnte man seinen Namen mit einer Katastrophe in Verbindung bringen und deswegen macht er das genauso nicht.
25:55
Frage 2 ist von nala-air. Hi Johnny, ich wollte mal wissen, wie hoch die Hindenburg eigentlich war. Und das ist eine sehr gute Frage, haben wir letzte Woche gar nicht erklärt. Also wir haben gesagt 13 Stockwerke, aber was das bedeutet, ist ziemlich krass, denn das sind ungefähr 45 Meter Höhe. Also auch da wieder, wenn wir gerne in Fußballfeldern rechnen, fast ein halbes Fußballfeld hoch. Das ist schon ordentlich.
26:21
Frage 3 ist von Moritz. Johnny, wie konnten so viele Menschen eigentlich überleben, wenn das Luftschiff 60 Meter über dem Boden war, als die Katastrophe losging? Und ja, auch berechtigte Frage. 60 Meter ist natürlich extrem viel. Man muss dazu aber sagen, in dem Moment, wo das Feuer ausbrach und dann ein erheblicher Gasverlust stattfand, konnte die Hindenburg relativ schnell sinken. Viele sind ja beim Abstürzen selbst rausgesprungen und hatten dann einfach enormes Glück, dass der Flugplatz von relativ viel Sand umgeben war. So sind viele dort dann relativ weich gelandet und konnten mit teils leichteren Verletzungen davon kommen.
26:57
Frage Nummer 4 ist von Alex. Hi Johnny, die Hindenburg war ja ein klares Propagandamittel der Nazis. Wie diese durfte sie dann trotzdem im New Yorker Luftraum fliegen? Eine sehr gute Frage. Und die Hindenburg hat diese Erlaubnis bekommen, weil sie eben kein Kriegsschiff war. Sie hatte keine Waffen an Bord. Sie war ein kommerzielles Passagierluftschiff, das ja unter anderem auch amerikanische Bürgerinnen und Bürger nach Frankfurt brachte. Bis ins Jahr 1937 hatten die USA und das Deutsche Reich auch noch eine relativ reguläre diplomatische und wirtschaftliche Beziehung.
27:31
Auch das hat natürlich den Austausch des Luftschiffs erleichtert.
27:35
Und die letzte Frage für heute ist von Mr. Mercury. Hi Johnny, ich habe mir gerade die Bilder in den Shownotes angeschaut und es sieht so aus, als wären olympische Ringe auf der Hindenburg zu sehen. Ist es so und wenn ja, wieso? Und völlig richtig, sehr, sehr gutes Auge. Das sieht nicht nur so aus. Die olympischen Ringe waren tatsächlich ab dem Jahr 1936 tatsächlich groß auf die Flanken der Hindenburg aufgemalt. Und zwar auch wieder zum Zweck der Propaganda. Man wollte während der Olympischen Spiele 36 dieses Luftschiff für die internationalen Gäste nutzen, um ein modernes, friedliches, leistungsfähiges Bild Deutschlands zu vermitteln.
28:14
Wie schlimm ist da schon hinter den Kulissen, außer wissen wir ja durch diesen Podcast.
28:19
Und damit, meine liebsten Wissensfreunde, sind wir jetzt wirklich am Ende dieser Folge angekommen. Und das bedeutet, richtig, ihr seid wieder am Zug. Wir haben, also ich sag das ja immer, sechs spannende Themen für euch, aber ich glaube dieses Mal war es wirklich, es ist für mich persönlich so spannend wie noch nie, weil am liebsten würde ich zu jedem dieser Themen eine eigene Folge machen. Das machen wir vielleicht auch zukünftig, aber ihr müsst euch jetzt erstmal für das erste davon entscheiden. Ich gehe mit euch einmal durch. Nummer 1, nochmal der Goyana-Unfall.
28:50
Da geht es ja um diese sehr sehr sehr krasse Strahlenkatastrophe, ausgelöst durch einen Einbruch 1987. Das ist eine ganz ganz verrückte Geschichte. Als zweites, wer war Steve Irvine? Das ist dieser Tierexperte, der extrem viele von uns wahrscheinlich auch in der Kindheit oder im Größerwerden begleitet hat. Doch eines seiner Lieblingstiere wird ihm dann zum Verhängnis.
29:18
Das dritte Thema für heute ist die Geschichte von Ferrari, von einer kleinen Stadt in die große Welt des Rennsports. Und da gibt es auch wirklich einiges Spannendes zu erzählen. Als viertes die Erfindung der Uhrzeit, also wie Menschen überhaupt angefangen haben, den Tag zu vermessen und wie daraus so komplexe Zeitzonen entstanden sind, wie wir sie heute kennen. Als vorletztes, wer war Pablo Escobar? Vom einfachen Jungen zu einem der mächtigsten und berüchtigsten Drogenbosse der Geschichte. Und als letztes noch einmal mit drin, North Sentinel Island, diese abgelegene Insel im Südpazifik, wo es mittlerweile sogar ein Verbot gibt, die Eingeborenen zu kontaktieren.
29:58
Weil da gab es die ein oder andere ziemlich düstere Geschichte. Wir sind extrem gespannt, für welches Thema ihr euch entscheidet. Also ich habe es ja gerade schon gesagt, am liebsten würde ich wirklich zu jedem eine eigene Folge machen. Ich bin oder wir sind extrem gespannt. Ab Montagmorgen werden wir die ganze Zeit wieder aktualisieren, auf welche Recherche ihr uns als nächstes schickt. Das macht ganz viel Spaß. Wir sind extrem gespannt, freuen uns drauf, verbleiben mit ganz viel Liebe an euch alle. Passt auf euch auf und für weniger Wissen entfeuert uns.
30:33
Fritz ist eine Produktion des rbb.